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Klicktafel · Informatik · Klasse 10 und Sek II · Reihe Kryptographie, Tafel 10

RSA: Ein Schlüssel für alle, einer nur für dich

Wie kann man einen Schlüssel veröffentlichen und trotzdem sicher sein? Mit dem Bild vom offenen Vorhängeschloss, einer Rechnung mit kleinen Primzahlen und der Frage, warum große Zahlen so schwer zu zerlegen sind.

Farbcode: blau = öffentlich rot = privat lila = Eve, die mitliest

Einstieg

Ein Schlüssel, den alle sehen dürfen?

Ausgangslage

Alice will Bob eine geheime Nachricht schicken. Die beiden haben sich nie getroffen und konnten nichts verabreden. Alles, was sie verschicken, kann Eve mitlesen.

Weg durchs Internet: jeder kann mitlesen Alice Bob Eve liest mit

Bob stellt seinen Schlüssel offen ins Internet. Kann Alices Nachricht trotzdem sicher bei ihm ankommen?

Station 1 · Bild

Bob verschickt ein offenes Schloss

Auftrag: Klickt Schritt für Schritt weiter. Vermutet vorher: Wer kann die Kiste unterwegs öffnen?

Alice Bob Eve Zu! Kein Schlüssel … Nachricht Treffen um 7 Uhr öffentlich privat

1/5

Wer kann die Kiste unterwegs öffnen?

Station 2 · Werkzeug

Rechnen mit Rest, wie auf der Uhr

Auftrag: Rechnet erst im Kopf, dann mit dem Rechner prüfen.

9 Uhr + 5 Stunden = 2 Uhr.

14 : 12 = 1 Rest 2

Kurz geschrieben:

14 mod 12 = 2

mod heißt: Teile und schreibe nur den Rest auf.

mod =7

40 = 1 · 33 + 7

Was ist 17 mod 5?

Trick: Große Potenzen bleiben klein

Nach jedem Malnehmen gleich den Rest nehmen. Beispiel 73 mod 33:

SchrittrechnenRest mod 33
7177
727 · 7 = 4916
7316 · 7 = 11213

Station 3 · Bob

Bob baut sein Schlüsselpaar

Auftrag: Rechnet jeden Schritt erst selbst, dann aufdecken. Danach eigene Primzahlen wählen.

  1. ①Zwei Primzahlen malnehmen: n = 3 · 11 = 33öffentlich
  2. ②Hilfszahl: m = (3 − 1) · (11 − 1) = 20geheim
  3. ③e ohne gemeinsamen Teiler (außer 1) mit m: e = 3öffentlich
  4. ④d so, dass e · d mod m = 1: d = 7, denn 3 · 7 = 21 = 1 · 20 + 1privat
Öffentlicher Schlüssel · das Schlossn = 33, e = 3
Privater Schlüssel · Bobs Schlüsseld = 7

p, q und m braucht Bob danach nicht mehr. Er hält sie geheim oder löscht sie.

Eigene Primzahlen wählen

p
q

p und q verschieden, n größer als 26, damit jeder Buchstabe A = 1 … Z = 26 hineinpasst. Sonst passt die Tafel die andere Zahl an.

e auswählen

Die nächsten Stationen rechnen mit diesem Schlüssel. Zurück zum Beispiel: p = 3, q = 11, e = 3.

Station 4 · Alice

Alice verschlüsselt mit dem öffentlichen Schlüssel

Auftrag: Rechnet den ersten Buchstaben selbst. Vermutet: Was passiert mit den beiden E in GEHEIM?

Rechnung: c = me mod n mit öffentlich: n = 33, e = 3

Alice schickt nur die blauen Zahlen:

Was passiert mit den beiden E in GEHEIM?

Station 5 · Bob

Bob entschlüsselt mit dem privaten Schlüssel

Auftrag: Vermutet zuerst: Kann Eve mit dem öffentlichen e zurückrechnen? Dann beide Knöpfe ausprobieren.

Rechnung: m = cd mod n mit privat: d = 7

Rechenweg für die erste Zahl

137 mod 33: siebenmal mit 13 malnehmen, nach jedem Schritt den Rest nehmen.

Warum klappt das?

e und d sind so gewählt, dass sie sich gegenseitig aufheben: Hochnehmen mit e, dann mit d, ergibt wieder die Zahl vom Anfang. Das gilt für jede Zahl kleiner als n. Der Beweis stützt sich auf einen Satz von Leonhard Euler (18. Jahrhundert).

Eve kennt n und e. Um d zu finden, bräuchte sie m – und dafür p und q.

Station 6 · Eve

Eve versucht, n zu zerlegen

Auftrag: Schätzt vor jedem Klick: Wie lange braucht der Rechner? Startet dann die Maschine.

Zerlege-Maschine: Sie probiert 2, 3, 5, 7, 9, … der Reihe nach, bis eine Zahl n ohne Rest teilt.

33

Stellen
2
Ergebnis
–
Versuche
–
Zeit
–

Hat Eve p und q, hat sie alles

Aus 33 = 3 · 11 rechnet Eve m = 2 · 10 = 20 und daraus d = 7 – genau wie Bob in Station 3.

Bei kleinen Zahlen geht das sofort. Wie ändert sich die Zeit, wenn n mehr Stellen hat?

Diese Maschine ist absichtlich einfach. Es gibt viel schnellere Verfahren. Auch die werden mit jeder Stelle mehr langsamer, nur nicht so stark.

Station 7 · Größenordnung

Wie groß ist n bei echten Schlüsseln?

Auftrag: Entscheidet euch zuerst, dann auflösen und die Tabelle lesen.

Stellen von nVersuche mit der MaschineWas man weiß
22n = 33: sofort, im Kopf.
16≈ 25 MillionenStation 6: höchstens Sekunden.
40≈ 1020Mit der Maschine Tausende Jahre, mit besseren Verfahren Sekunden.
250≈ 10125Rekord 2020 mit dem besten bekannten Verfahren: rund 2700 Kernjahre*.
617≈ 10308RSA mit 2048 Bit, weit verbreitet: nach heutigem Wissen nicht zu schaffen.
925≈ 104623072 Bit. Das BSI empfiehlt mindestens 3000 Bit.

* ein Rechenkern 2700 Jahre lang, verteilt auf viele Rechner. Im September 2026 wurde auch die 260-stellige Prüfzahl RSA-260 zerlegt; wie, ist nicht veröffentlicht. Versuche für n aus zwei etwa gleich großen Primzahlen.

Ein n mit 12 Stellen braucht rund 185 000 Versuche. Wie viele braucht ein n mit 24 Stellen?

Station 8 · Ausblick

Umgekehrt: die digitale Unterschrift

Auftrag: Woher weiß Alice, dass eine Nachricht wirklich von Bob kommt? Probiert Bobs Unterschrift und Eves Fälschung aus.

(2 bis 32)
Bob unterschreibt mit seinem privaten ds = 77 mod 33 = 28
Alle prüfen mit dem öffentlichen e283 mod 33 = 7 ✓ echt
Eve rät eine Unterschrift–

Ohne d kann Eve keine passende Unterschrift berechnen. Raten klappt nur zufällig – bei echten Schlüsseln praktisch nie.

So wird es benutzt

  • Unterschrieben wird nicht der ganze Text, sondern sein Hashwert (Tafel Hashwerte).
  • Software-Updates sind unterschrieben. Das Handy prüft vor dem Einspielen.
  • Webseiten mit https zeigen ein Zertifikat: Eine Prüfstelle hat unterschrieben, dass dieses Schloss wirklich zur Seite gehört.

Das löst eine Lücke aus Station 1: Eve könnte Alice ihr eigenes Schloss schicken und behaupten, es sei Bobs. Ein Zertifikat verrät den Schwindel.

Station 9 · Ausblick

Knacken Quantencomputer RSA?

Auftrag: Lest die Schlagzeile. Stimmt sie? Entscheidet, dann auflösen.

„Quantencomputer knacken jetzt jede Verschlüsselung!“

1994 Ein Rechenweg auf Vorrat

Peter Shor zeigt: Ein großer Quantencomputer mit Fehlerkorrektur könnte n schnell zerlegen. Damit wären RSA-Schlüssel und RSA-Unterschriften unsicher.

heute Noch weit entfernt

Mit Shors Verfahren wurden auf echten Geräten nur winzige Zahlen wie 15 und 21 zerlegt, und nur mit Vorwissen über die Lösung. Eine Schätzung von 2025: Für 2048 Bit bräuchte man knapp eine Million Qubits und bis zu eine Woche Rechenzeit.

2024 Vorsorge

Neue Verfahren, die auch Quantencomputern standhalten sollen, sind genormt (NIST). Die Umstellung hat begonnen, weil Angreifer Daten heute speichern und später entschlüsseln könnten.

Abschluss

Check

Auftrag: Entscheidet euch bei jeder Frage zuerst, dann auflösen.

Was darf Bob veröffentlichen?

Eve hat n = 33 und e = 3. Was braucht sie, um d zu finden?

Warum verschlüsseln echte Programme nicht Buchstabe für Buchstabe?

Hinweise für Lehrkräfte

Jahrgang und Zeit

Klasse 10 und Sekundarstufe II, Informatik. Vorwissen: Primzahlen, Teilen mit Rest, Potenzen. Reihe Kryptographie, Tafel 10 von 10.

45 Minuten: Einstieg, Schloss, Rest (kurz), Schlüssel mit 3 · 11, verschlüsseln, entschlüsseln, Zerlegen und Größenordnung. Signatur und Quantencomputer als Ausblick.

90 Minuten: alles, dazu Partnerarbeit: Jedes Paar baut mit eigenen Primzahlen (Station 3) ein Schlüsselpaar und hängt n und e aus. Andere Paare verschlüsseln ein Wort an dieses Paar oder versuchen, n zu zerlegen.

Lernziele

  • Die Schülerinnen und Schüler erklären mit dem Schloss-Bild, warum ein öffentlicher Schlüssel nicht zum Entschlüsseln reicht.
  • Sie erzeugen mit kleinen Primzahlen ein Schlüsselpaar und verschlüsseln und entschlüsseln damit.
  • Sie begründen, dass die Sicherheit auf dem Zerlegen von n beruht und mit der Stellenzahl stark wächst.
  • Sie beschreiben die digitale Unterschrift als umgekehrte Nutzung der Schlüssel.
  • Sie ordnen Schlagzeilen über Quantencomputer sachlich ein.

Typische Fehlvorstellungen

  • „Mit dem öffentlichen Schlüssel kann man auch entschlüsseln.“ Richtig ist: e verschlüsselt nur (Station 5, Knopf „Eve“).
  • „RSA verschlüsselt Text Buchstabe für Buchstabe.“ Richtig ist: Das ist nur das Spielzeug-Beispiel. Echt wird eine große Zahl mit Zufallsfüllung (Padding, z. B. OAEP) verschlüsselt, meist nur ein Schlüssel für AES (hybride Verschlüsselung).
  • „Große Zahlen lassen sich grundsätzlich nicht zerlegen.“ Richtig ist: Es dauert nach heutigem Wissen zu lange. Bewiesen ist das nicht.
  • „Quantencomputer knacken RSA schon heute.“ Richtig ist: Die nötigen Geräte gibt es noch nicht (Station 9).
  • „Unterschreiben heißt mit dem privaten Schlüssel verschlüsseln.“ Das stimmt nur beim einfachen Lehrbuch-RSA, nicht bei anderen Signaturverfahren.
  • „Bei https verschlüsselt RSA die Daten.“ Richtig ist: Heute (TLS 1.3) wird der Sitzungsschlüssel meist per Diffie-Hellman vereinbart; RSA steckt vor allem in Zertifikaten und Unterschriften.

Was vereinfacht ist

  • Die Hilfszahl m ist die eulersche Phi-Funktion φ(n) = (p − 1)(q − 1). Standards rechnen oft mit dem kgV von p − 1 und q − 1; das Ergebnis funktioniert ebenso.
  • Echte Schlüssel: p und q je rund 1024 Bit oder mehr, zufällig erzeugt; e ist meist 65 537.
  • Station 3 lässt auch e-Werte zu, bei denen d = e herauskommt. Die Tafel warnt dann; ein Gesprächsanlass, warum das bei echten Größen nicht passiert.
  • Lehrbuch-RSA ohne Hash und Padding ist auch bei Unterschriften angreifbar: Eve kann ein beliebiges s nehmen und se mod n als „Nachricht“ ausgeben. Darum unterschreibt man den Hashwert mit Padding.
  • Neuere Schätzungen (2026) für Quantenrechner liegen teils noch unter einer Million Qubits; sie sind noch nicht an Geräten bestätigt.
  • Bei n = 33 und e = 3 bleiben A, J, K, L, U, V und W unverändert (z. B. 103 mod 33 = 10). Bei kleinen Zahlen normal; GEHEIM enthält keinen davon.

An der Tafel

Adresse mit #tafel startet den Tafelmodus, #tafel-4 die vierte Tafel (Schlüssel erzeugen). → / Bild↓ weiter, ← / Bild↑ zurück, Esc beendet. Die Seite speichert nichts im Browser.

Reihe Kryptographie: Übersicht der Reihe · Cäsar (Häufigkeitsanalyse, Station 4) · danach Hashwerte und Passwörter (Station 8).