Einstieg
Welcher Buchstabe ist wohl das E?
Diesen Zettel hat der Zoll im Hafen gefunden.
Jeder Buchstabe ist durch einen anderen ersetzt, nach einer geheimen Tauschtabelle. Solche Tabellen gibt es rund 4 · 10²⁶. Alle ausprobieren? Unmöglich.
Welches Zeichen steht wohl für e?
H kommt 104-mal vor, öfter als jedes andere Zeichen. Im Deutschen ist e der häufigste Buchstabe.
Aber wie häufig ist e eigentlich – und woher weiß man das?
Station 1 · Die Sprache zählen
Wie häufig ist welcher Buchstabe?
Auftrag: Schätzt zuerst: Welche fünf Buchstaben kommen im Deutschen am häufigsten vor? Schreibt sie auf, dann aufdecken.
Linien: 5 %, 10 %, 15 %, 20 % aller Buchstaben.
Gezählt per Programm in 578 778 Buchstaben aus zwei Romanen (Kafka: Die Verwandlung; Fontane: Effi Briest), ä als ae, ö als oe, ü als ue, ß als ss. Ungefähr jeder sechste Buchstabe ist ein e. Diese Verteilung nennt man die Häufigkeitsverteilung einer Sprache.
Station 2 · Den Geheimtext zählen
Geheimtext gegen Deutsch
Auftrag: Lasst zählen und vergleicht die Balken. Stellt dann den Regler auf 20 Zeichen: Wer liegt jetzt vorn?
vorn: –
GEHEIMTEXT (rot, GROSS), sortiert
deutsch (blau, klein), sortiert
Station 3 · Einfach der Reihe nach?
Platz 1 zu Platz 1, Platz 2 zu Platz 2 …
Auftrag: Wir ordnen stur nach Rangliste zu. Vermutet, wie viel dann stimmt.
Wie viele der 22 Buchstaben stimmen, wenn wir nur nach Rangliste zuordnen?
Nur 6 von 22 stimmen, darunter e und n. So sieht der Anfang dann aus:
Weil e und n so oft vorkommen, ist trotzdem knapp die Hälfte der Zeichen richtig – lesbar wird der Text dadurch nicht.
Häufigkeit liefert den Anfang. Wie geht es weiter?
Station 4 · Schritt für Schritt
Jetzt wird geknackt
Auftrag: Tippt einen GEHEIM-Buchstaben an, dann seinen klar-Buchstaben. Erst e und n, dann kurze Wörter.
geheim (Anzahl)
klar
Station 5 · Geschichte
al-Kindi, 9. Jahrhundert, Bagdad
Auftrag: Lest den Text. Begründet dann: Warum hilft der Trick bei jeder Tauschtabelle?
Abu Yusuf Yaqub al-Kindi war ein Gelehrter in Bagdad. Er arbeitete am „Haus der Weisheit“, wo griechische Schriften ins Arabische übersetzt wurden.
Er schrieb eine Abhandlung über das Entziffern verschlüsselter Botschaften. Sie gilt als älteste bekannte Schrift über das Knacken von Geheimtexten. Darin beschreibt er die Häufigkeitsanalyse: Zeichen im Geheimtext zählen und mit der Häufigkeit der Buchstaben in der Sprache vergleichen.
Die Handschrift wurde im 20. Jahrhundert in einem Archiv in Istanbul wiederentdeckt und 1987 gedruckt.
Er untersuchte arabische Texte. Jede Sprache hat ihre eigene Häufigkeitsverteilung.
Warum funktioniert der Trick bei jeder der 4 · 10²⁶ Tauschtabellen?
Jedes e wird zum selben Zeichen, also ist dieses Zeichen genauso häufig wie e. Die Tabelle versteckt die Buchstaben, nicht ihre Häufigkeit.
Abschluss
Check
Auftrag: Entscheidet euch zuerst, dann auflösen.
Ein Geheimtext hat nur 20 Buchstaben. Das häufigste Zeichen ist Q. Ist Q sicher das e?
Bei den ersten 20 Buchstaben unseres Zettels lag auch nicht H vorn. Zählen braucht lange Texte.
Welche Änderung macht die Häufigkeitsanalyse wirklich schwer?
Wird e mal zu H, mal zu P, verteilt sich seine Häufigkeit. Genau so arbeitet die Vigenère-Verschlüsselung, Tafel 5 der Reihe.
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