Wahlsimulator
Klicktafel · Politik · Bundestagswahl · Klasse 9–10

Wie aus Kreuzen Sitze werden

Bei der Bundestagswahl hat jede wahlberechtigte Person zwei Stimmen. Aber wie wird daraus ein Parlament mit 630 Sitzen? Hier spielst du eine Wahl Schritt für Schritt durch.

Der Halbkreis zeigt die Sitzverteilung der aktuellen Simulation. Am Anfang ist das das amtliche Ergebnis der Bundestagswahl 2025. In der Station „Hürde“ kannst du die Ergebnisse verändern.

Querformat für Smartboard und Beamer

Bundestagswahl 2025, amtliches Endergebnis

Einstieg

28,5 % der Stimmen. Wie viele Sitze?

Auftrag: Seht zu, wie der Bundestag Sitz für Sitz gefüllt wird. Schätzt dann jede und jeder für sich, bevor ihr auflöst.

Bundestagswahl 2025 · Sitz für Sitz

0von 630 Sitzen vergeben

Die Sitze werden in der Reihenfolge vergeben, die das Rechenverfahren ergibt (läuft von selbst).

Die Union (CDU und CSU) bekam bei der Bundestagswahl 2025 28,5 % der Zweitstimmen. Wie viele der 630 Sitze bekam sie?

Station 1 · Stimmzettel

Zwei Stimmen, zwei Aufgaben

Auftrag: Füllt den Muster-Stimmzettel aus. Gebt eure beiden Stimmen einmal derselben und einmal verschiedenen Parteien. Welche Stimme entscheidet über die Zahl der Sitze?

Erststimme: eine Person, die im Wahlkreis kandidiert

Zweitstimme: eine Partei

Die Zweitstimme entscheidet über die Zahl der Sitze.

Mit der Erststimme (links, schwarz) wählst du eine Person, die in deinem Wahlkreis kandidiert. Deutschland ist in 299 Wahlkreise eingeteilt. Wer dort die meisten Erststimmen bekommt, gewinnt den Wahlkreis. Einen Sitz bekommt sie nur, wenn ihre Partei genug Zweitstimmen hat (Station 5).

Mit der Zweitstimme (rechts, blau) wählst du eine Partei mit ihrer Landesliste. Die Zweitstimmen entscheiden, wie viele der 630 Sitze eine Partei insgesamt bekommt. Sie entscheidet über die Stärke der Parteien im Bundestag.

Du darfst beide Stimmen verschiedenen Parteien geben. Das heißt Stimmensplitting. Probier es auf dem Muster-Stimmzettel aus.

Muster-Stimmzettel · ausgedachte Parteien

Setz dein Kreuz in einen Kreis auf jeder Seite.

Station 2 · Sitzverteilung

Von Stimmen zu Sitzen

Auftrag: Rechnet zuerst im Heft: Wer bekommt Sitz 1, 2 und 3? Prüft dann an der Tabelle. Verändert danach die Stimmen: Ab wann bekommt die Liste Kultur einen zweiten Sitz?

Stimmen teilen durch 0,5 – 1,5 – 2,5 – …

Die größten Ergebnisse bekommen nacheinander einen Sitz.

Name: Sainte-Laguë/Schepers

Wie verteilt man Sitze gerecht auf Stimmen? Der Bundestag nutzt das Verfahren nach Sainte-Laguë/Schepers. Hier siehst du es an einem kleinen Beispiel: Ein Schülerrat wird gewählt.

  1. Teile die Stimmen jeder Liste nacheinander durch 0,5, dann 1,5, dann 2,5 und so weiter.
  2. Such die größten Ergebnisse in der ganzen Tabelle.
  3. Das größte Ergebnis bekommt Sitz 1, das zweitgrößte Sitz 2, bis alle Sitze vergeben sind.

Beim Bundestag läuft es genauso, nur mit 630 Sitzen und Millionen Stimmen: erst bundesweit auf die Parteien, dann auf ihre Landeslisten.

Schülerratswahl · Beispiel
Sitze:
Station 3 · Sperrklausel

Die 5-%-Hürde

Auftrag: Ladet die ausgedachte Wahl. Vermutet: Was passiert mit den Sitzen der anderen, wenn Partei F von 4,6 % auf 5,0 % steigt? Tippt Partei F an und schiebt den Regler.

Unter 5 % der Zweitstimmen: keine Sitze

Ausnahme: 3 Wahlkreise gewonnen

Ausnahme: Parteien nationaler Minderheiten (SSW)

Nur Parteien mit mindestens 5 % der Zweitstimmen bekommen Sitze. So sollen nicht zu viele kleine Parteien im Bundestag sitzen, damit Mehrheiten leichter zustande kommen.

Es gibt zwei Ausnahmen: Eine Partei, die mindestens drei Wahlkreise gewinnt, bekommt trotzdem Sitze nach ihrem Zweitstimmenanteil (Grundmandatsklausel). Und Parteien nationaler Minderheiten wie der SSW der dänischen Minderheit sind von der Hürde befreit.

Tippe auf eine Partei und verändere ihr Ergebnis. Was passiert, wenn eine Partei knapp unter 5 % liegt?

Zweitstimmen und Sitze
Partei5 %AnteilSitze

Station 4 · Regierung bilden

Wer hat die Mehrheit?

Auftrag: Findet mindestens zwei Zusammenstellungen mit 316 Sitzen oder mehr. Welche davon gibt es wirklich, und warum nicht alle?

Kanzlerwahl: Mehrheit aller Mitglieder, mindestens 316 von 630

Hat keine Partei sie allein: Koalition

Die Mehrheit wählt die Bundeskanzlerin oder den Bundeskanzler.

Für die Wahl der Bundeskanzlerin oder des Bundeskanzlers braucht man im ersten Wahlgang die Mehrheit aller Mitglieder des Bundestags: mehr als die Hälfte, bei 630 Sitzen also 316. Für normale Beschlüsse reicht die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Eine Regierung will sich aber auf eine feste Mehrheit stützen.

Meist hat keine Partei allein so viele Sitze. Dann schließen sich mehrere Parteien zu einer Koalition zusammen. Gemeinsam wählen sie die Bundeskanzlerin oder den Bundeskanzler und tragen die Regierung.

Tippe Parteien an und prüfe, welche Kombinationen rechnerisch eine Mehrheit hätten. Ob Parteien wirklich zusammenarbeiten, hängt von ihren Zielen und Absprachen ab, nicht nur von der Rechnung.

Koalitionsrechner
0316630

Tippe Parteien an.

Station 5 · Wahlrecht seit 2023

Wahlkreis gewonnen, trotzdem kein Sitz?

Auftrag: Partei A hat 6 Wahlkreise gewonnen. Stellt ein: Wie viele Sitze müssen ihr zustehen, damit alle 6 einziehen? Wer geht bei 4 Sitzen leer aus?

Sitze pro Partei: nur nach Zweitstimmen

Mehr Wahlkreise gewonnen als Sitze? Die schwächsten Sieger gehen leer aus.

2025: 23 Wahlkreissieger ohne Sitz

Seit der Wahlrechtsreform von 2023 bekommt eine Partei in einem Bundesland nur so viele Sitze, wie ihr nach den Zweitstimmen zustehen. Das heißt Zweitstimmendeckung.

Gewinnt sie dort mehr Wahlkreise, bekommen die Wahlkreissieger mit den schwächsten Ergebnissen keinen Sitz. Bei der Bundestagswahl 2025 betraf das 23 Personen. Das Bundesverfassungsgericht hat diese Regel 2024 bestätigt.

Die Regel ist umstritten. Befürworter sagen: Der Bundestag bleibt bei 630 Sitzen, und die Sitze passen genau zu den Zweitstimmen. Kritiker sagen: Manche Wahlkreise haben keine direkt gewählte Abgeordnete und keinen direkt gewählten Abgeordneten. Union und SPD wollen das Wahlrecht erneut ändern, sind sich aber noch nicht einig (Stand Juli 2026).

Musterland · Partei A

Station 6 · Selbst prüfen

Check dich (1)

0 von 6 richtig

Auftrag: Entscheidet euch bei jeder Frage zuerst gemeinsam, dann antippen.

Welche Stimme entscheidet, wie viele Sitze eine Partei bekommt?

Eine Partei (keine Partei einer nationalen Minderheit) hat 4,9 % und keinen Wahlkreis gewonnen. Bekommt sie Sitze?

Wie viele Sitze braucht eine Koalition, um sicher die Kanzlerin oder den Kanzler zu wählen?

Station 6 · Selbst prüfen

Check dich (2)

0 von 6 richtig

Auftrag: Rechnet Frage 5 zuerst im Heft. Entscheidet euch dann gemeinsam und tippt an.

Was regelt die Grundmandatsklausel?

Liste A hat 60 Stimmen, Liste B 30. Es gibt 3 Sitze. Wie werden sie verteilt?

Warum kann jemand einen Wahlkreis gewinnen und trotzdem keinen Sitz bekommen?

Zum Nachschlagen

Begriffe

Erststimme
Stimme für eine Person, die im eigenen Wahlkreis antritt
Zweitstimme
Stimme für die Landesliste einer Partei; sie bestimmt die Zahl der Sitze
Wahlkreis
eines von 299 Gebieten, in denen je eine Person direkt gewählt wird
Landesliste
Reihenfolge der Kandidierenden einer Partei in einem Bundesland
5-%-Hürde
Sperrklausel: Parteien unter 5 % der Zweitstimmen bekommen keine Sitze
Grundmandatsklausel
Ausnahme: Wer mindestens drei Wahlkreise gewinnt, bekommt trotzdem Sitze nach Zweitstimmen
Zweitstimmendeckung
Ein Wahlkreissieger bekommt den Sitz nur, wenn seine Partei genug Zweitstimmen hat
Sainte-Laguë/Schepers
Rechenverfahren, mit dem die Sitze verhältnisgleich verteilt werden
Koalition
Bündnis mehrerer Parteien, die zusammen eine Mehrheit bilden
Fraktion
Zusammenschluss der Abgeordneten einer Partei im Bundestag; CDU und CSU bilden eine gemeinsame Fraktion
Hinweise für Lehrkräfte

Jahrgang und Zeit. Klasse 9–10, Politik. 45 Minuten: Einstieg (5), Stationen 1–2 (15), Station 3–4 (12), Station 5 (8), Check (5). 90 Minuten: dazu Station 2 mit eigener Rechnung im Heft (Schülerrat mit 10 Sitzen), Station 4 mit Gespräch über Koalitionen und Parteiprogramme, Begriffe als Sicherung.

Lernziele. Die Schülerinnen und Schüler erklären die Aufgaben von Erst- und Zweitstimme, verteilen Sitze mit Sainte-Laguë/Schepers an einem kleinen Beispiel, begründen die Wirkung der 5-%-Hürde und ihrer Ausnahmen, bestimmen rechnerische Mehrheiten und erklären die Zweitstimmendeckung seit 2023.

Typische Fehlvorstellungen. „Die Erststimme ist die wichtigere, weil sie zuerst kommt.“ Richtig ist: Die Zweitstimme bestimmt die Zahl der Sitze. „Eine Partei bekommt genau ihren Stimmenanteil an Sitzen.“ Richtig ist: Stimmen für Parteien unter der Hürde fallen weg, die übrigen Parteien bekommen dadurch etwas mehr (Einstieg). „Rechnerische Mehrheit heißt Koalition.“ Richtig ist: Ob Parteien zusammenarbeiten, entscheiden sie selbst.

Rechenweg. Der Simulator verteilt 630 Sitze bundesweit nach Sainte-Laguë/Schepers auf alle Parteien, die die 5-%-Hürde überwinden, mindestens drei Wahlkreise gewinnen oder als Minderheitenpartei befreit sind. Mit den amtlichen Zweitstimmen von 2025 ergibt das genau die amtliche Sitzverteilung (CDU 164, AfD 152, SPD 120, Grüne 85, Linke 64, CSU 44, SSW 1). Die anschließende Verteilung auf die Landeslisten und die Zweitstimmendeckung je Land sind nicht simuliert; Station 5 zeigt sie an einem ausgedachten Land.

Rechtsstand. Grundlage ist das Bundeswahlgesetz in der Fassung der Reform von 2023 und das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 30. Juli 2024: Die Zweitstimmendeckung und die Größe von 630 Sitzen blieben bestehen, die Grundmandatsklausel gilt bis zu einer Neuregelung weiter. Eine Kommission der Koalition aus CDU/CSU und SPD hat 2026 Vorschläge vorgelegt. Am 2. Juli 2026 hat der Koalitionsausschuss die Entscheidung vertagt; Streitpunkte sind, wie jeder Wahlkreissieger einen Sitz bekommt, und die Parität. Entschieden werden muss bis spätestens Frühjahr 2027. Bis dahin gilt das Wahlrecht von 2023 mit der Übergangsregel des Gerichts. Bitte vor dem Unterricht den aktuellen Stand prüfen.

Heikle Rechnung. Mit den echten Zahlen von 2025 führt schon eine kleine Änderung zu großen Folgen: Hätte das BSW 5,0 % statt 4,98 % erreicht, hätte es 34 Sitze bekommen, und CDU/CSU und SPD hätten zusammen nur 310 statt 328 Sitze. Das ist eine Rechnung, keine Aussage über das Wahlergebnis. Der Auftrag in Station 3 nutzt deshalb die ausgedachte Wahl.

Neutralität. Der Koalitionsrechner prüft nur Rechenmehrheiten. Die Parteien im Halbkreis sind nach Stimmenanteil sortiert, nicht nach der Sitzordnung im Plenarsaal. Die Station „Ausgedachte Wahl“ eignet sich, wenn ihr ohne reale Parteien arbeiten wollt. Kommen im Koalitionsrechner umstrittene Kombinationen auf, gilt der Beutelsbacher Konsens: Was in Politik und Gesellschaft kontrovers ist, wird auch im Unterricht kontrovers dargestellt.