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Klicktafel · Lehrerfortbildung · auch ab Klasse 8 einsetzbar

Klüger mit KI – wie das Gehirn lernt

Warum Üben mit ChatGPT schlechter machen kann, was das Gehirn beim Lernen braucht und wie KI so eingesetzt wird, dass Lernende selbst denken.

Einstieg · Eine Feldstudie

Mit ChatGPT geübt – und dann?

Eine große Schule in der Türkei, Schuljahr 2023/24

Knapp 1000 Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 bis 11 üben vier Doppelstunden Mathe. Ein Teil der Klassen hat dabei ChatGPT (GPT-4), die anderen nicht.

Ergebnisse: beim Üben ohne KI 100, mit ChatGPT 148; in der Arbeit ohne KI 100, mit ChatGPT zunächst verdeckt 100 148 ohne KI ChatGPT beim Üben 100 ? ohne KI ChatGPT in der Arbeit (ohne KI)

Ergebnisse der Klassen ohne KI = 100. Beim Üben erzielen die ChatGPT-Klassen 48 % bessere Ergebnisse.

Dann schreiben alle eine Arbeit – ohne KI. Wie schneiden die ChatGPT-Klassen ab?

Station 1 · Das Gehirn

Wenig Energie, wenig Daten – viel gelernt

Auftrag: Schätzt zuerst: Wie viele Wörter hat ein Kind bis zum 5. Geburtstag gehört? Dann auflösen und mit Sprachmodellen vergleichen.

86 Mrd.Nervenzellen
15–20 WLeistung in Ruhe
2 % · 20 %des Körpergewichts · der Ruheenergie
Sprachmenge im Vergleich, logarithmisch: Kind mit 5 Jahren bis zu 60 Millionen Wörter, Mensch mit 20 Jahren rund 200 Millionen, GPT-3 rund 300 Milliarden Token, Chinchilla 1,4 Billionen, Llama 3 rund 15 Billionen Token

Logarithmische Achse: Jede Linie bedeutet ×10. Token sind Wortteile, ein Wort hat meist ein bis zwei Token.

Wie viele Wörter hat ein Kind bis zum 5. Geburtstag gehört?

Station 2 · Verbindungen

Lernen heißt: Verbindungen ändern sich

Auftrag: Lasst Zelle A und Zelle B feuern – einzeln und gemeinsam. Wann wird die Verbindung stärker?

Zwei Nervenzellen A und B mit einer Verbindung, deren Dicke die Stärke zeigt A B Verbindung (Synapse)
Stärke10 %
GehirnSprachmodell
Was ändert sich?Stärke der SynapsenGewichte: Zahlen im Netz
Wodurch?eigene Aktivität, beim Denken und ÜbenFehlersignal beim Training
Wann?ein Leben lang; Schlaf hilft beim Festigennur im Training; im Chat lernt es nicht dauerhaft dazu
Wie viele Daten?wenige Beispiele reichen oftriesige Textmengen

Mehr dazu, wie eine KI lernt: Klicktafel „Wie lernt eine KI?“

Und warum vergessen wir trotzdem so viel?

Station 3 · Vergessen und Wiederholen

Wann wiederholen?

Auftrag: Vermutet zuerst, dann vergleicht „geballt“ und „verteilt“: Was hilft für die Arbeit – und was vier Wochen später?

Modellkurve: Wie viel vom Gelernten noch abrufbar ist, über 60 Tage, mit Wiederholungen

Modell, schematisch, keine Messwerte. Tag 0 = erstes Lernen. Tippt in die Kurve für eigene Wiederholungen.

Arbeit, Tag 30–
Tag 58–

Wiederholungen: keine

Zwischenhalt · Selbstversuch

Was wisst ihr noch?

✎ Zettel und Stift · jede und jeder für sich3 Minuten

Schreibt ohne nachzusehen alles auf, was ihr vom Einstieg bis Station 3 noch wisst: Zahlen, Begriffe, Befunde. Stichworte genügen.

Für Schnelle: Kreist ein, wo ihr euch unsicher seid. Notiert eine Frage, die ihr jemand anderem stellen würdet, um das zu prüfen.

Station 4 · Abrufen

Abfragen schlägt Wiederlesen

Auftrag: Zwei Gruppen lernen einen Sachtext. Vermutet: Wer weiß nach einer Woche mehr? Begründet, dann auflösen.

Versuch mit Studierenden, vier Lernphasen je Gruppe

Gruppe Alesenlesenlesenlesen
Gruppe Blesenaufschreibenaufschreibenaufschreiben

„aufschreiben“ = ohne Text alles notieren, was man noch weiß (Abrufen), ohne Rückmeldung

Wer weiß nach einer Woche mehr?

Station 5 · Lernstrategien

Was wirkt – und was sich nur gut anfühlt

Auftrag: Tippt jede Karte an, bis der Nutzen stimmt: viel, mittel oder wenig. Erst alle einordnen, dann auflösen.

Station 6 · Kognitive Entlastung

Wer formuliert, behält

Auftrag: Lest den Befund. Was darf man daraus schließen – und was nicht? Entscheidet euch, dann auflösen.

MIT, 2025: 54 Erwachsene schreiben Aufsätze – mit ChatGPT, mit Suchmaschine oder nur mit dem Kopf. Gemessen werden Hirnströme (EEG) und Erinnerung.

Nach der ersten Sitzung konnten keinen Satz aus dem eigenen Aufsatz korrekt zitieren: ChatGPT-Gruppe 15 von 18, Suchmaschine 2 von 18, nur Kopf 2 von 18 Konnten keinen Satz aus dem eigenen Aufsatz zitieren ChatGPT 15 von 18 Suchmaschine 2 von 18 nur Kopf 2 von 18

Außerdem: Die ChatGPT-Gruppe zeigte im EEG die schwächste Vernetzung. Vorabveröffentlichung, noch nicht begutachtet, kleine Stichprobe, nur Aufsätze.

Was darf man daraus schließen?

Station 7 · Prompts

Abkürzung oder Denkpartner?

Auftrag: Ziel ist Lernen. Entscheidet bei jedem Prompt: Nimmt er das Denken ab oder lässt er selbst denken? Dann auflösen.

Löse Aufgabe 4 und schreib den Lösungsweg auf.
Stell mir 5 Fragen zur Fotosynthese. Warte nach jeder Frage auf meine Antwort.
Schreib meine Englisch-Hausaufgabe: 120 Wörter über mein Wochenende.
Ich erkläre dir, wie ein Transistor schaltet. Zeig mir Lücken in meiner Erklärung, verbessere sie aber nicht.
Fasse Kapitel 3 für mich zusammen, damit ich es nicht lesen muss.
Ich hänge bei Aufgabe 4. Gib mir nur einen Tipp für den nächsten Schritt.

Station 8 · KI-Tutoren

Leitplanken machen den Unterschied

Auftrag: In der Mathe-Studie schadete der KI-Tutor nicht, in der Physik-Studie lernten Studierende mit ihm mehr. Was machen solche Tutoren anders als ChatGPT pur? Vermutet, dann aufdecken.

Mathe-Studie aus dem Einstieg, dazu eine dritte Gruppe mit KI-Tutor

Arbeit ohne KI: Klassen ohne KI 100, ChatGPT pur 83, KI-Tutor rund 99, kein messbarer Unterschied zu ohne KI. Beim Üben: 100, 148 und 227 beim Üben 100 148 227 in der Arbeit (ohne KI) 100 83 ≈ 99 ohne KIChatGPTKI-Tutor ohne KIChatGPTKI-Tutor

KI-Tutor: kein messbarer Unterschied zur Gruppe ohne KI. Er schadete nicht, brachte in der Arbeit aber auch keinen messbaren Vorteil.

Harvard, Physik, 194 Studierende: KI-Tutor gegen gute Präsenzstunde mit aktivem Lernen

Lernzuwachs: Präsenzstunde 1, KI-Tutor mehr als doppelt so groß Präsenzstunde × 1 KI-Tutor über × 2

Ausprobieren · Rollenspiel

Selbst KI-Tutor sein

✋ Ausprobieren · zu zweit im Raum8 Minuten

Material
Eine Aufgabe aus eurem Fach, die ihr gut lösen könnt, auf einem Zettel
Rollen
Lernende löst die Aufgabe und darf alles fragen, auch „Sag mir einfach die Lösung“. KI-Tutor kennt die Lösung und hält sich an die Leitplanken.
  1. Vermutet vorher: Ist Tipps geben leichter oder schwerer als die Lösung sagen?
  2. Spielt 3 Minuten. Der Tutor gibt nur Tipps für den nächsten Schritt, nie die Lösung.
  3. Rollen tauschen, neue Aufgabe, noch einmal 3 Minuten.

Auswertung: Was war als Tutor schwer – und welcher Tipp half am meisten?

Sammelt kurz im Plenum, dann auflösen.

Abschluss

Vier Regeln für schlaues Lernen mit KI

Auftrag: Welche Regel passt zu welcher Station? Dann entscheidet den Fall unten.

1

Erst selbst, dann KI

Eigener Versuch vor jeder Hilfe. Wer selbst sucht, verknüpft.

2

Die KI fragt, ich antworte

Abfragen lassen statt Antworten lesen.

3

Tipp statt Lösung

Leitplanken in den Prompt schreiben oder einen Tutor einstellen.

4

Später ohne KI prüfen

Nach Tagen wiederholen. Erst dann zeigt sich, was sitzt.

Ein Schüler sagt: „Mit KI ging das Üben viel leichter. Jetzt kann ich das.“ Was antwortet ihr?

Hinweise für Lehrkräfte

Einsatz

Lehrkräftefortbildung zu Lernen und KI. Die Tafeln sind so formuliert, dass sie auch ab etwa Klasse 8 laufen, etwa vor einer Lernzeit-Einheit oder vor dem ersten Arbeiten mit einer Schul-KI. Stationen frei wählen; Station 5 bis 7 tragen auch allein.

Lernziele

  • Erklären, warum Üben mit KI-Lösungen zu schlechteren Ergebnissen ohne KI führen kann.
  • Abrufen und verteiltes Wiederholen als wirksame Strategien begründen.
  • Prompts danach unterscheiden, ob sie Denkarbeit abnehmen oder auslösen.
  • Leitplanken für KI-Tutoren benennen.

Typische Fehlvorstellungen

  • „KI macht dumm.“ Richtig ist: Es kommt darauf an, welche Denkarbeit abgegeben wird. Mit Leitplanken half KI in Studien.
  • „Was beim Üben leicht geht, sitzt.“ Richtig ist: Leichtigkeit täuscht; Abrufen mit Abstand zeigt, was sitzt.
  • „Der Chatbot lernt aus unserem Gespräch.“ Richtig ist: Seine Gewichte ändern sich im Chat nicht; der Verlauf ist nur Kontext. Erinnerungsfunktionen mancher Apps speichern Notizen, das ist kein Lernen im Netz.
  • „Das Gehirn ist ein Computer.“ Richtig ist: Beide verändern Verbindungsgewichte, aber Gehirne lernen ständig, mit wenig Daten und Energie.

Zur Einordnung der Studien

Die Mathe-Studie (PNAS 2025) und die Harvard-Studie (Scientific Reports 2025) sind begutachtete Feldstudien mit Zufallszuteilung. Die MIT-Studie ist eine Vorabveröffentlichung mit 54 Personen. Die Vergessenskurve in Station 3 ist ein Modell zur Veranschaulichung, keine Messung: Jede Wiederholung bremst das Vergessen, umso stärker, je mehr schon vergessen war. Deshalb gewinnt „geballt“ am Tag der Arbeit und „verteilt“ vier Wochen später. Eigene Wiederholungen: in die Kurve tippen (höchstens drei, Tag 1 bis 29).

Selbstversuch und Ausprobieren

Der Selbstversuch vor Station 4 ist selbst eine Abrufübung: erst schreiben, dann vergleichen, dann den Leseversuch auflösen. Für „Tutor spielen“ bringen die Teilnehmenden je eine Aufgabe aus ihrem Fach mit, die sich in wenigen Minuten lösen lässt; in der Klasse eignen sich Aufgaben aus der laufenden Einheit. Kein Material nötig außer Zettel und Stift.

An der Tafel

Adresse mit #tafel startet den Tafelmodus, #tafel-3 die dritte Tafel. → / Bild↓ weiter, ← / Bild↑ zurück, Esc beendet.