Einstieg
Zwei Schlagzeilen – was stimmt?
Zwei Schlagzeilen, ausgedacht, aber so oder ähnlich oft zu lesen:
Schlagzeile 1„Handys machen Jugendliche krank!“
Schlagzeile 2„Studie: Bildschirmzeit schadet kaum mehr als Kartoffelessen“
Beide berufen sich auf Forschung. Beide klingen sicher.
Was stimmt denn nun?
Große Umfragen mit über 300.000 Jugendlichen finden im Schnitt nur einen kleinen Zusammenhang zwischen Bildschirmzeit und Wohlbefinden. Für manche wird es trotzdem zum Problem: Rund jede und jeder Fünfte von 10 bis 17 nutzt soziale Medien riskant.
Wie viel Zeit ist es eigentlich bei Jugendlichen?
Station 1 · Schätzen
Wie lange sind Jugendliche am Handy?
Auftrag: Schätzt erst: Wie viele Stunden zeigt die Bildschirmzeit-Anzeige im Handy bei 12- bis 19-Jährigen im Schnitt pro Tag? Stellt den Regler ein, dann auflösen.
Balken ungefähr. Gefragt wurde nach dem Wert aus der Bildschirmzeit-Anzeige des Smartphones, ohne Fernseher, Konsole und Laptop.
Aus derselben Befragung
- 68 % fällt es schwer, ihre Bildschirmzeit selbst zu begrenzen.
- Rund drei von zehn sind morgens oft müde, weil das Handy abends zu spät weggelegt wurde.
JIM-Studie 2025 (befragt Juni/Juli 2025), 1.200 Jugendliche von 12 bis 19 Jahren
Selbst nachsehen: iPhone: Einstellungen → Bildschirmzeit. Android: Einstellungen → „Digital Wellbeing“ (heißt je nach Gerät etwas anders).
Eure Zahl gehört euch. Niemand muss sie zeigen.
Station 2 · Hochrechnen
Was 3½ Stunden am Tag bedeuten
✎ Zettel und Stift · jede und jeder für sich8 Minuten
Angenommen, jemand ist jeden Tag 3 Stunden 30 Minuten am Handy.
- Wie viele Stunden sind das in einer Woche?
- Wie viele Stunden sind das in einem Jahr mit 365 Tagen?
- Wie viele ganze Tage zu je 24 Stunden sind das ungefähr?
Für Schnelle: Ihr habt 30 Schulstunden zu je 45 Minuten pro Woche und rund 38 Schulwochen im Jahr. Wie viele volle Stunden Unterricht sind das im Jahr? Vergleicht mit b).
a) 3,5 h · 7 = 24,5 h pro Woche, also mehr als ein ganzer Tag.
b) 3 h · 365 = 1.095 h; 0,5 h · 365 = 182,5 h; zusammen 1.277,5 h im Jahr.
c) 24 · 53 = 1.272, also rund 53 Tage – fast zwei Monate ohne Pause.
Für Schnelle: 30 · 45 min = 1.350 min = 22,5 h pro Woche; 22,5 h · 38 = 855 h. Das sind rund 420 Stunden weniger als am Handy. Und was fällt für die Handyzeit weg?
Station 3 · Empfehlungen
Was raten Kinderärztinnen und -ärzte?
Auftrag: Vermutet zuerst. Ab welchem Alter empfehlen sie frühestens ein eigenes Smartphone?
Frühestens mit 12, und bis 16 nur unter Aufsicht im Internet.
Für alle gilt: nachts keine Geräte im Kinderzimmer, eine Stunde vor dem Schlafen kein Bildschirm, beim Essen alles aus.
Quelle: ärztliche Leitlinie zur Bildschirmnutzung von Kindern und Jugendlichen (Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin u. a., 2023, gültig bis 2028). Es sind Empfehlungen, keine Gesetze.
Freizeit am Bildschirm, höchstens pro Tag (Schule und Hausaufgaben zählen nicht mit) – tippt ein Alter an:
Tippt eine Altersstufe an.
Station 4 · Forschung
Zusammenhang heißt nicht Ursache
Auftrag: Findet zu zweit für jede Erklärung ein Beispiel. Dann tippt die Erklärung an.
Befund aus Umfragen: Jugendlichen, die sehr viel Zeit mit sozialen Medien verbringen, geht es im Schnitt etwas schlechter.
Welche Erklärung stimmt, zeigt erst ein Experiment mit zufällig gebildeten Gruppen.
Was Studien zeigen
Station 5 · Abwägen
Wann ist Bildschirmzeit gut – wann nicht?
Auftrag: Tippt jede Karte an, bis eure Einschätzung dasteht. Begründet, dann vergleicht.
Darüber darf man streiten. Fünf Fragen helfen beim Abwägen:
- Was mache ich? Selbst gestalten, lernen, Kontakt – oder nur schauen?
- Wann? Nicht vor dem Schlafen, nicht beim Essen.
- Was fällt dafür weg? Schlaf, Bewegung, Freunde, Hausaufgaben?
- Wie geht es mir danach?
- Kann ich aufhören, wenn ich will?
Tippt jetzt eine Karte an: Hier steht die Begründung.
Station 6 · Design
Warum ist Aufhören so schwer?
Auftrag: Scrollt im Handy bis zum Ende des Feeds. Was passiert? Dann tippt die Tricks an.
Gesehen: 0 Beiträge · Ende: noch nicht
Es gibt kein Ende – mit Absicht. Viele Apps verdienen mit Werbung: Je länger ihr bleibt, desto mehr Werbung können sie zeigen. Die EU-Kommission will Endlos-Scrollen und Belohnungstricks für Minderjährige verbieten (Vorschlag vom September 2026, Stand Oktober 2026 noch nicht beschlossen).
Station 7 · Regeln
Wer kann was regeln?
Auftrag: Tippt jede Karte an, bis die passende Ebene dasteht: Ich · Familie · Schule · Staat/EU. Dann auflösen.
Jede Ebene kann etwas tun. Am schnellsten wirkt, was ihr selbst einstellt.
Und in Niedersachsen?
Das Kultusministerium empfiehlt seit November 2025: Grundschulen ohne Handys, weiterführende Schulen mit Handyzeiten und Handyzonen. Ein Verbot für alle Schulen gibt es nicht.
Die Regeln legt jede Schule selbst fest, zusammen mit Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften.
Stand: Oktober 2026
Wie ist es bei uns? Was würdet ihr ändern?
Station 8 · Streitfrage · Stand: 16. Oktober 2026
Soziale Medien – ab welchem Alter?
Australien
gilt seit 10. Dezember 2025
Unter 16 kein eigenes Konto bei großen Plattformen. Strafen zahlen die Plattformen.
Europäische Union
Vorschlag, September 2026
Unter 13 kein eigenes Konto, mit 13 und 14 nur ein Mini-Konto mit Elternkontrolle, ab 15 ein eigenes Konto. Kein Sucht-Design. Noch nicht beschlossen.
Deutschland
Eckpunkte der Regierung, 14. Oktober 2026
Unter 13 grundsätzlich kein Zugang, Ausnahmen für kindgerechte Angebote. Noch kein Gesetz.
✎ Zettel und Stift · jede und jeder für sich7 Minuten
Sollte es in Deutschland ein Mindestalter für soziale Medien geben? Schreibt zwei Argumente dafür und zwei dagegen. Entscheidet euch dann und begründet in einem Satz.
Für Schnelle: Wie könnte eine App das Alter prüfen, ohne viel über euch zu erfahren?
Dafür: Schutz vor gefährlichen Inhalten und Sucht-Design · Eltern müssen nicht allein Nein sagen · Plattformen tragen Verantwortung.
Dagegen: Alter prüfen braucht Daten oder einen Ausweis · viele umgehen Sperren · Kinder verlieren auch Gutes (Kontakt, Hobbys, Infos) · sicherere Apps statt Verbote.
Für Schnelle: eine App, die nur „alt genug: ja oder nein“ bestätigt, ohne weitere Daten. Die EU-Kommission hat so eine App entwickelt.
Abschluss
Check
Auftrag: Entscheidet euch bei jeder Frage zuerst, dann auflösen.
Wie viel Freizeit am Bildschirm empfiehlt die Leitlinie 12- bis 16-Jährigen höchstens pro Tag?
Höchstens 2 Stunden, Schule und Hausaufgaben nicht mitgezählt.
Wer viel in sozialen Medien ist, dem geht es im Schnitt etwas schlechter. Was folgt daraus?
Ein Zusammenhang kann drei Gründe haben. Erst Experimente zeigen die Ursache.
Warum haben viele Feeds kein Ende?
Zeit in der App ist für viele Anbieter Geld. Ein Ende wäre eine Stelle zum Aufhören.
Zum Schluss: Was probiert ihr diese Woche aus? Zum Beispiel Push-Nachrichten aus oder das Handy nachts vor der Tür.