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Klicktafel · Medienbildung · Klasse 5–10

Bildschirmzeit – wie viel ist zu viel?

Wie lange sind Jugendliche am Handy, was empfehlen Kinderärztinnen und -ärzte, was zeigen Studien wirklich? Wann ist Zeit am Bildschirm gut, wann nicht, warum fällt Aufhören so schwer, und wer soll das regeln?

Einstieg

Zwei Schlagzeilen – was stimmt?

Zwei Schlagzeilen, ausgedacht, aber so oder ähnlich oft zu lesen:

Schlagzeile 1„Handys machen Jugendliche krank!“

Schlagzeile 2„Studie: Bildschirmzeit schadet kaum mehr als Kartoffelessen“

Beide berufen sich auf Forschung. Beide klingen sicher.

Was stimmt denn nun?

Station 1 · Schätzen

Wie lange sind Jugendliche am Handy?

Auftrag: Schätzt erst: Wie viele Stunden zeigt die Bildschirmzeit-Anzeige im Handy bei 12- bis 19-Jährigen im Schnitt pro Tag? Stellt den Regler ein, dann auflösen.

Unsere Schätzung 2 h
Unsere Schätzung
2 h
0 h2 h4 h6 h8 h

Aus derselben Befragung

  • 68 % fällt es schwer, ihre Bildschirmzeit selbst zu begrenzen.
  • Rund drei von zehn sind morgens oft müde, weil das Handy abends zu spät weggelegt wurde.

JIM-Studie 2025 (befragt Juni/Juli 2025), 1.200 Jugendliche von 12 bis 19 Jahren

Selbst nachsehen: iPhone: Einstellungen → Bildschirmzeit. Android: Einstellungen → „Digital Wellbeing“ (heißt je nach Gerät etwas anders).

Eure Zahl gehört euch. Niemand muss sie zeigen.

Station 2 · Hochrechnen

Was 3½ Stunden am Tag bedeuten

✎ Zettel und Stift · jede und jeder für sich8 Minuten

Angenommen, jemand ist jeden Tag 3 Stunden 30 Minuten am Handy.

  1. Wie viele Stunden sind das in einer Woche?
  2. Wie viele Stunden sind das in einem Jahr mit 365 Tagen?
  3. Wie viele ganze Tage zu je 24 Stunden sind das ungefähr?

Für Schnelle: Ihr habt 30 Schulstunden zu je 45 Minuten pro Woche und rund 38 Schulwochen im Jahr. Wie viele volle Stunden Unterricht sind das im Jahr? Vergleicht mit b).

Station 3 · Empfehlungen

Was raten Kinderärztinnen und -ärzte?

Auftrag: Vermutet zuerst. Ab welchem Alter empfehlen sie frühestens ein eigenes Smartphone?

Quelle: ärztliche Leitlinie zur Bildschirmnutzung von Kindern und Jugendlichen (Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin u. a., 2023, gültig bis 2028). Es sind Empfehlungen, keine Gesetze.

Freizeit am Bildschirm, höchstens pro Tag (Schule und Hausaufgaben zählen nicht mit) – tippt ein Alter an:

Tippt eine Altersstufe an.

Station 4 · Forschung

Zusammenhang heißt nicht Ursache

Auftrag: Findet zu zweit für jede Erklärung ein Beispiel. Dann tippt die Erklärung an.

Befund aus Umfragen: Jugendlichen, die sehr viel Zeit mit sozialen Medien verbringen, geht es im Schnitt etwas schlechter.

Welche Erklärung stimmt, zeigt erst ein Experiment mit zufällig gebildeten Gruppen.

Was Studien zeigen

Umfragen, über 300.000 Jugendliche (Daten 2007–2016)Der Zusammenhang mit digitaler Technik ist sehr klein, etwa so groß wie bei regelmäßigem Kartoffelessen. Genug Schlaf und Frühstück hängen viel stärker mit dem Wohlbefinden zusammen.
Experiment, Erwachsene in den USA (2020)Wer Facebook vier Wochen abschaltete, verbrachte mehr Zeit mit Familie und Freunden und fühlte sich etwas besser.
Streit unter ForschendenJonathan Haidt hält Smartphones für eine Hauptursache für mehr psychische Probleme bei Jugendlichen. Andere, etwa Candice Odgers, halten die Belege für zu schwach.

Station 5 · Abwägen

Wann ist Bildschirmzeit gut – wann nicht?

Auftrag: Tippt jede Karte an, bis eure Einschätzung dasteht. Begründet, dann vergleicht.

eher gutkommt drauf aneher problematisch

Station 6 · Design

Warum ist Aufhören so schwer?

Auftrag: Scrollt im Handy bis zum Ende des Feeds. Was passiert? Dann tippt die Tricks an.

Gesehen: 0 Beiträge · Ende: noch nicht

Station 7 · Regeln

Wer kann was regeln?

Auftrag: Tippt jede Karte an, bis die passende Ebene dasteht: Ich · Familie · Schule · Staat/EU. Dann auflösen.

Und in Niedersachsen?

Das Kultusministerium empfiehlt seit November 2025: Grundschulen ohne Handys, weiterführende Schulen mit Handyzeiten und Handyzonen. Ein Verbot für alle Schulen gibt es nicht.

Die Regeln legt jede Schule selbst fest, zusammen mit Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften.

Stand: Oktober 2026

Wie ist es bei uns? Was würdet ihr ändern?

Station 8 · Streitfrage · Stand: 16. Oktober 2026

Soziale Medien – ab welchem Alter?

Australien

gilt seit 10. Dezember 2025

Unter 16 kein eigenes Konto bei großen Plattformen. Strafen zahlen die Plattformen.

Europäische Union

Vorschlag, September 2026

Unter 13 kein eigenes Konto, mit 13 und 14 nur ein Mini-Konto mit Elternkontrolle, ab 15 ein eigenes Konto. Kein Sucht-Design. Noch nicht beschlossen.

Deutschland

Eckpunkte der Regierung, 14. Oktober 2026

Unter 13 grundsätzlich kein Zugang, Ausnahmen für kindgerechte Angebote. Noch kein Gesetz.

✎ Zettel und Stift · jede und jeder für sich7 Minuten

Sollte es in Deutschland ein Mindestalter für soziale Medien geben? Schreibt zwei Argumente dafür und zwei dagegen. Entscheidet euch dann und begründet in einem Satz.

Für Schnelle: Wie könnte eine App das Alter prüfen, ohne viel über euch zu erfahren?

Abschluss

Check

Auftrag: Entscheidet euch bei jeder Frage zuerst, dann auflösen.

Wie viel Freizeit am Bildschirm empfiehlt die Leitlinie 12- bis 16-Jährigen höchstens pro Tag?

Wer viel in sozialen Medien ist, dem geht es im Schnitt etwas schlechter. Was folgt daraus?

Warum haben viele Feeds kein Ende?

Zum Schluss: Was probiert ihr diese Woche aus? Zum Beispiel Push-Nachrichten aus oder das Handy nachts vor der Tür.

Hinweise für Lehrkräfte

Jahrgang und Zeit

Klasse 5–10, Medienbildung (auch Politik, Werte und Normen). 45 Minuten: Einstieg, Stationen 1, 2, 3, 5, Check. 90 Minuten: alle Tafeln; Station 8 als kurze Debatte (Positionslinie im Raum).

Lernziele

  • Die Schülerinnen und Schüler schätzen ihre Bildschirmzeit ein und rechnen sie hoch.
  • Sie kennen die ärztlichen Empfehlungen nach Alter und wissen, dass sie Freizeit meinen.
  • Sie unterscheiden Zusammenhang und Ursache und nennen drei mögliche Erklärungen.
  • Sie beurteilen Situationen nach Inhalt, Zeitpunkt, Verdrängung, Befinden und Kontrolle.
  • Sie erkennen Design-Tricks und nennen Gegenmittel und Regelungsebenen.

Typische Fehlvorstellungen

  • „Jede Stunde am Bildschirm schadet gleich.“ Richtig: Inhalt, Zeitpunkt und was dafür wegfällt zählen.
  • „Die Studie zeigt, dass Handys unglücklich machen.“ Richtig: Umfragen zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen.
  • „Die Empfehlungen sind Gesetze.“ Richtig: Es sind ärztliche Empfehlungen an Familien.
  • „Hausaufgaben am Tablet zählen mit.“ Richtig: Die Empfehlungen meinen Freizeit.

Mit Feingefühl

  • Bildschirmzeiten einzelner Kinder nicht vor der Klasse vergleichen oder abfragen; Station 1 schätzt die Klasse gemeinsam.
  • Station 5 hat keine Musterlösung; die Einschätzung ist ein Vorschlag zum Diskutieren.
  • Bei Hinweisen auf Kontrollverlust: Beratungslehrkraft; anonym und kostenlos hilft die Nummer gegen Kummer, 116 111.

Bitte aktuell halten

Station 8 (Stand 16.10.2026), die Niedersachsen-Angaben in Station 7 und der EU-Hinweis in Station 6 (Stand Oktober 2026) stehen mit Datum auf der Tafel. Vor dem Einsatz kurz prüfen, ob EU-Vorschlag oder Bundesgesetz weiter sind. Die Seite nimmt in der Streitfrage keine Position ein.

An der Tafel

Adresse mit #tafel startet den Tafelmodus, #tafel-3 die dritte Tafel. → / Bild↓ weiter, ← / Bild↑ zurück, Esc beendet. Der Feed in Station 6 lässt sich mit Finger, Maus oder Autoplay bewegen. Die Seite speichert nichts.